Willkommen bei Urlaub 123 – Der Urlaubsblog

Ein Klick im Internet, dann ist die Reise gebucht. Bequem von zu Hause aus oder abends im Restaurant, wenn der Wein den Wunsch befeuert, zusammen ganz weit weg zu sein. Die ganze Welt auf dem eigenen Smartphone. Doch das Display zeigt nur Traumstrände und tiefblaues Meer – die Wahrheit des Reisegeschäfts zeigt es nicht.

Traumstrand

Blauer Himmer, türkisfarbenes Wasser, weißer Sandstrand – Urlaub a la Reiseprospekt

In dem geht es zu wie auf einem Suk im Orient: beherrscht von versierten Profitmaximierern, regiert nach Gesetzen, die nur der Verkäufer kennt und versteht. Der Kunde ist manchmal Verlierer, manchmal Gewinner und im Vergleich zu den Profis der anderen Seite – immer der Dümmere. Der Reisemarkt ist oft unübersichtlich und wechselhaft, aber auch dieser Markt funktioniert nach Regeln. Wer sie kennt, hat die besten Chancen, viel Urlaub für wenig Geld zu buchen.

Ein Urlaubsziel – Ein Preis?

Als die Welt noch nicht auf Effizienz getrimmt war, richtete sich der Preis eines Flugtickets vor allem danach, was es kostet, den Flieger loszuschicken. Vor fast 40 Jahren haben die Manager von American Airlines mit dieser Tradition gebrochen und angefangen, die Tickets zu dem Preis zu verkaufen, den die Kunden zu zahlen bereit waren. Heute gibt es im Reisedschungel keinen Preis mehr, der fest und unverrückbar und nach klaren, transparenten Maßstäben entstanden ist.

Für Reiseveranstalter gilt: Nur ein volles Flugzeug ist ein gutes Flugzeug

Für Reiseveranstalter gilt: Nur ein volles Flugzeug ist ein gutes Flugzeug

Das können 199 Euro sein oder ein Vielfaches. Die Preise richten sich streng nach Angebot und Nachfrage. Die Folge ist, dass einige weit weniger zahlen, als die Bereitstellung der Leistung kostet – nämlich dann, wenn die Veranstalter um jeden Preis übrig gebliebene Plätze losschlagen. Und andere zahlen umso mehr, damit der Balanceakt zwischen teuer und günstig am Ende für die Reiseunternehmen aufgeht.

Sonne und Meer sind Waren, die industriell aufbereitet, verpackt, verziert und verkauft werden. Eine riesige Industrie, ganze Volkswirtschaften leben davon. Betrieben wird das Geschäft mit modernster Technik und der Hilfe komplexer Konzepte, die dazu führen sollen, dass unter dem Strich möglichst viel Geld in die Kasse kommt.

Alle Anbieter steuern ihre Auslastung sehr genau. Langfristig kommen wir deswegen dahin, dass tagesaktuelle Preise gelten. Den Reisepreis gibt es nicht mehr. Alle betreiben Yield-Management. „Yield“ ist der Ertrag, die Ausbeute, die Rendite. Es ist das Zauberwort einer Branche, in der die Festsetzung von Preisen als die höchste aller Künste gilt. Der Preis ist idealerweise genau so hoch, dass der Kunde ihn gerade noch bezahlt – und am Ende das Hotel voll ausgebucht ist.

Preise maßgeschneidert auf den Kunden

Big Data - Werden Preise bereits heute individuell auf den Kunden angepasst?

Big Data – Werden Preise bereits heute individuell auf den Kunden angepasst?

Es ist ein alter Basartrick, eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Der Verkäufer mustert seinen Kunden. Wie ist er gekleidet? Was trägt er für eine Uhr? Hat der wohl Geld? In der digitalen Welt wird erst recht jeder abgecheckt, der auf den „Jetzt kaufen“-Knopf drücken könnte. Niemand kann sehen, ob der Kunde in der Nase bohrt. Aber welche Persönlichkeit er hat, das weiß die Maschine sehr genau. Mit jeder Bewegung im Netz werden Informationen über Standort, Betriebssystem und manches mehr übertragen. Die lassen sich auswerten: Wer dauernd auf das gleiche Angebot zurückkommt, scheint ja wirklich sehr interessiert. Wer das neueste iPhone nutzt, wird wohl liquide sein. Und wer aus München-Bogenhausen kommt, ist mutmaßlich für Kostenintensiveres ansprechbar als der Sonnenhungrige aus Duisburg-Rheinhausen.  Je mehr man über den Endkunden weiß, desto besser kann man Preise auf ihn abstimmen. Wie genau die Algorithmen funktionieren, die alle Daten und Informationen so verknüpfen, dass die richtigen Preise herauskommen, wollen die Unternehmen  natürlich auf keinen Fall sagen. Coca-Cola verrät ja auch nicht sein Rezept. Nur eines ist sicher: Es gibt sie und sie sollen fest verschlossen bleiben in der „Black Box“ der Branche.

Was aber könnte in dieser schwarzen Kiste stecken? Autovermieter haben sich bereits dabei erwischen lassen, dass sie die Rechnungshöhe nach dem Wohnort der Kunden variierten. Dabei muss es gar kein illegales Gebaren sein, oft reicht es, den Kunden besonders gezielt anzusprechen. So schickte die amerikanische Reiseseite Orbitz an die Nutzer von Apple-Produkten Werbung für teurere Produkte als an die Kundschaft mit Billig-PCs.

Tipp: Verschiedene Internetzugänge nutzen

Wer sichergehen will, dass er nicht abgezockt wird, sollte daher sein Wunschangebot über verschiedene Internetzugänge ansteuern, um die Angebote zu prüfen.

Auch wenn die Feinheiten der Algorithmen im Dunkeln liegen, ist die grobe Arbeitsweise klar. Die entscheidenden Kriterien sind zunächst Reisezeit und Reisedauer. Dann der Wochentag, an dem es losgeht; ein ordinärer Dienstag ist billiger als der Samstagvormittag. Der Abflughafen spielt ebenfalls eine Rolle, dann der zeitliche Abstand zwischen Buchung und Abflug. Belohnt wird vor allem: Flexibilität. Wem das Abflugdatum so egal ist wie das Reiseland, wird billig buchen. Wer dagegen an einem begehrten Wunschtermin in sein Traumhotel will, zahlt drauf.

Der Horror für jeden Preisgestalter ist, dass seine unterschiedlich zahlenden Kunden gemeinsam am Pool liegen und sich austauschen. Deshalb werden die Angebote so gestaltet, dass sie möglichst schlecht vergleichbar sind. Mal gehört das Büfett dazu, mal WLAN, mal Essen und Freigepäck im Flugzeug. Wenn alles andere ausgeschöpft ist, kann man auch  „mit Begrifflichkeiten wie  „Meerblick“ arbeiten: Das Ziel ist immer dasselbe: Enttäuschungen bei denen zu vermeiden, die teurer gebucht haben als die anderen Gäste.

überblick verschaffen

Einen Überblick über das gesamte Angebot kann sich ohnehin niemand verschaffen. Die meisten Reiseportale im Netz – und auch die klassischen Reisebüros um die Ecke fischen aus demselben, riesigen Topf. Alle Daten der Veranstalter und Fluggesellschaften werden in wenige Angebotsvergleichssysteme eingespeist. Marktführer ist Traveltainment, das rund 7o Prozent der Buchungen im deutschen Markt abdeckt. Mit seinem Produkt „Bistro Portal“ können Reisevermittler etwa 32 Milliarden Angebote von rund 140 Veranstaltern abrufen, vor allem Pauschalreisen und Hotelangebote, aber auch Flüge und Mietwagen.

Online-Buchungen nicht zwangsläufig günstiger

Das eigentlich erstaunliche wie beruhigende dabei: Identische Reisen kosten zum gleichen Zeitpunkt gleich viel egal, wo man sie bucht. Und das, obwohl der erste Eindruck oft ein anderer ist. Das hängt damit zusammen, dass die Pakete in vielen Fällen erst im Moment der Anfrage zusammengestellt werden. Wenn das Hotel ausgebucht ist, wird der gleiche Flug mit einer anderen Unterkunft kombiniert – und umgekehrt. Das führt dazu, dass wir das Gefühl haben, wir finden nicht überall das Gleiche. Im deutschen Reisemarkt gelten gleiche Preise für gleiche Angebote egal, ob im Internet, im Reisebüro, am Flughafen oder im Shoppingkanal im Fernsehen.

Die Kunst besteht also nicht nur im richtigen Timing bei der Buchung, sondern auch darin, unter ähnlichen Angeboten das Beste zu finden. Versteckte Zusatzkosten erschweren das ebenso wie das dringende Bedürfnis vieler Anbieter, noch ein wenig mehr zu verkaufen. Im harten Wettbewerb kommt die Rendite oft aus Zusatzleistungen, die der Reisende weder braucht noch haben will.

Vorsicht: Versteckte Kosten

Wer nicht aufpasst, sitzt dann etwa in einem Mietwagen, der sehr billig wirkt, es aber nicht ist, wenn man alle Gebühren, Versicherungen und Pauschalen berücksichtigt.  Da führt dann auf der Internetseite etwa ein rosafarbener Button mit der Aufschrift „Weiter“ zur Buchung mit Zusatzversicherung. Wer die nicht will, muss den grauen Knopf wählen: „Ohne Reiseversicherung weiter“. Im schlimmsten Fall gelten die Versicherungen nicht nur für die gebuchte Reise, sondern weit darüber hinaus. Es folgen weitere Abbuchungen vom Konto, oft steigt der Betrag von Jahr zu Jahr.

traumurlaub am meer

Natürlich kann man als Urlauber die ganze Bandbreite des normalen Wahnsinns der Pauschalreise erleben. Vom Transferbus zum Flughafen, der um halb vier morgens vorfuhr, um dann alle Hotels der Gegend abzuklappern. Bis zum Mietwagenschalter, der zur Rückgabe des Autos leider zunächst geschlossen war und erst öffnete, als der Flieger eigentlich schon weg war. Trotzdem kann man mit guter Vorbereitung ein paar schöne Tage in der Sonne genießen – für überraschend wenig Geld.

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